Rom zu Fuß: Die schönste Art Rom zu entdecken

Fassade des Kolosseums im antiken Rom

Lieber Gustav, viele Wege führen ja bekanntlich nach Rom. Unsere Reise in die ewige Stadt führte von Korsika insgesamt 192 Seemeilen (356km) bis an die Westküste Italiens. Vom Hafen in Civitavecchia ging es weiter mit dem Zug nach Rom. Es war ein warmer Tag; 38 Grad im Schatten. Doch das sollte uns nicht abhalten! Wir waren gut vorbereitet und voller Vorfreude auf unseren ersten Besuch in Italien. Neben viel Wasser und etwas Proviant für unterwegs, hatten wir auch die richtige Wechselkleidung für den Petersdom mit dabei. Nur wenn Schultern, Rücken und Beine bedeckt sind, wird der Einlass gewährt.

Rom an nur einem Tag erkunden

Wo beginnen wir, was darf nicht fehlen, welche Route lässt uns an einem Tag möglichst viele Sehenswürdigkeiten ansteuern? Das waren unsere Fragen und so haben wir im Vorfeld einen Spaziergang geplant, der uns von der Vatikanstadt über die klassischen Bauten bis hin zum Kolosseum führte.

Mit dem Zug schnell und günstig nach Rom

Vom Schiff aus nahmen wir zunächst den Shuttle-Bus zum Hafenausgang. Von dort waren es etwa 20min zu Fuß bis zum Bahnhof in Civitavecchia. Für den Transfer nach Rom kauften wir das BIRG-Tagesticket für 12,- EUR pro Person und stiegen in den Regionalzug (Linie FL5) um 08.49 Uhr. Nach etwa 30min Fahrt durch die italienische Landschaft hielten wir acht Stationen später im Bahnhof Roma San Pietro und verließen den Zug. Hier begann unsere Tour; der Petersdom war bereits in Sichtweite.

Blick durchs Fenster; Petersdom in Rom

Petersplatz, Petersdom & Vatikanstadt

Je näher wir dem Petersplatz kamen, desto voller wurde es. Für die am Abend geplante Papstaudienz sammelte sich bereits ein großes Publikum. Unangemeldete Besichtigungen des Petersdoms waren an diesem Tag nur bis etwa 12 Uhr möglich. Wie gut, dass wir im Vorfeld bereits Tickets für das Zeitfenster 10-12 Uhr gebucht hatten. So blieb uns auch das Schlangestehen in der prallen Sonne erspart. So viel zum Organisatorischen; nicht zuletzt vermittelt die Vorbereitung immer auch einen gewissen ersten Eindruck über das, was uns dann vor Ort erwartet. Von der schieren Größe des Platzes und der Menge der Leute ringsherum waren wir dennoch überrascht und ziemlich überwältigt. Hier zu sehen ist der Platz mit Bestuhlung für die Audienz am Nachmittag.

Platz vor dem Petersdom mit Bestuhlung für die Generalaudienz

Auch der Petersdom selbst war gigantisch. Drinnen angekommen wurde uns beim Blick nach oben in das Innere der Hauptkugel schwindelig. Die von Michelangelo entworfene Kuppel gilt als das größte frei tragende Ziegelbauwerk der Welt.

Blick in das Innere der Hauptkuppel, Petersdom in Rom

Bei diesen Dimensionen lohnt noch einmal ein Blick auf die Zahlen und Fakten rund um den Petersdom. Für die Kuppelbesichtigung blieb an dem Tag nicht genug Zeit; schließlich hatten wir noch einiges vor.

  • Religiöser Mittelpunkt der Vatikanstadt
  • Fassungsvermögen: 20.000 Menschen
  • Höhe: 133,30 Meter; Innenhöhe 117,57 Meter

Engelsburg & Engelsbrücke

Vom Petersdom bis zur Engelsburg sind es zu Fuß etwa 10min Weg. Wir liefen die Via Conciliatione entlang in Richtung Tiber und weiter über die Engelsbrücke. Die Namensgebung ist auf den Erzengel zurückzuführen, der oben auf der Engelsburg steht. Die Engelsstatuen auf der Brücke wurden erst viel später geschaffen und bei der Brückenerneuerung im 17. Jahrhundert aufgestellt.

Engelsburg mit Brücke über Fluss Tiber in Rom

Engel auf der Ponte Sant'Angelo, der Engelsbrücke in Rom

Hinter der Brücke schlenderten wir durch kleine Straßen und stießen zufällig auf die Eisdiele Gelateria del Teatro. Die Menschenmenge davor versprach gutes Eis und sollte Recht behalten. Im angenehmen Schatten der schmalen Gassen liefen wir weiter bis ins Zentrum der Stadt.

Spaziergang zu Roms Sehenswürdigkeiten

Piazza Navona & Pantheon

Wenige Schritte weiter auf unserem Weg zum Pantheon erreichten wir die Piazza Navona. Das ist ein im 15. Jahrhundert errichteter Platz, der heute für seine drei Brunnen berühmt ist. Früher befand sich hier ein Stadion für Wagenrennen; so erklärte sich uns auch die langgezogene, ovale Form des Platzes. Die umgebenen Häuser wurden auf den Fundamenten der Tribünen erbaut.

Umliegende Geschäfte auf der Piazza Navona in Rom

Mitten auf dem Platz befand sich der Vierströmebrunnen mit seinen vier Männerfiguren. Jede davon verkörpert einen Strom bzw. einen Flussgott der damals vier bekannten Kontinente. Daneben standen der Mohren- und der Neptunbrunnen an den beiden Enden des Platzes.

Der Flussgott Ganges am Vierströmebrunnen, Rom

Nur 300m weiter östlich waren wir auch schon am Pantheon. Es gilt als eines der am besten erhaltenen Bauwerke der römischen Antike und beeindruckt vor allem durch den riesigen, kreisrunden Kuppelbau mit dem berühmten Oculus, einem Loch in der Mitte. Die Kuppel war lange Zeit die größte der Welt; sie entspricht der Hälfte einer Kugel von 43,3 Metern Durchmesser. Abgesehen vom Eingangsportal ist die Öffnung in der Mitte der Kuppel die einzige Lichtquelle des Innenraums, weshalb das Pantheon lange Zeit als Sonnenuhr diente. Ein wirklich beeindruckender Bau!

Lichteinfall durch das Loch in der Kuppel des Pantheon

Innenraum des Pantheon, Rom

Trevi Brunnen

Vom Pantheon ging es weiter zu einem weiteren berühmten Bauwerk Roms, dem Trevibrunnen. Es handelt sich hier um einen der größten und wunderschönsten Brunnen überhaupt und wir ließen uns die Gelegenheit nicht entgehen, dort auch eine Münze hineinzuwerfen und uns etwas zu wünschen.

Rom-Klassiker: Trevi–Brunnen

Spanische Treppe

Unser nächstes Ziel war der berühmte Piazza di Spagna (Spanischer Platz) mit der gleichnamigen Treppe und dem Brunnen Fontana della Barcaccia. Doch woher kommt der Name der Spanischen Treppe in der italienischen Hauptstadt; das fragten wir uns. Ausschlaggebend war wohl der Spanische Platz unterhalb der Treppe wo sich die Spanische Botschaft des Vatikans befindet.

Spanischen Treppe in Rom

Die Spanische Treppe zwischen dem Spanischen Platz und der Kirche Santa Tinità die Monti führte uns knapp 25 Meter in die Höhe. Hier konnten wir uns etwas ausruhen und den schönen Ausblick geniessen.

Rom von oben: Aussicht von der Spanischen Treppe

Forum Romanum

Auf unserem weiteren Weg kamen wir u.a. vorbei an einem riesigen weißen Monument: Es handelte sich um das Nationaldenkmal an der Piazza Venezia. Zu Ehren von Viktor Emanuel II, dem ersten König Italiens, wurde es erst 1927 erbaut. Eines der wenigen Gebäude in Rom, die nicht 2.000 Jahre alt sind.

Dennoch; die Bauten der Antike waren unser nächstes Ziel. Als Symbol des antiken Roms stand unmittelbar vor dem Forum Romanum diese kleine Bronzefigur auf einer Säule am Kapitolsplatz: Die Kapitolinische Wölfin, die der Legende nach die Stadtgründer, Romulus und Remus gerettet und aufgezogen hat.

Kapitolinische Wölfin mit Romulus und Remus, Symbol für Rom

Das Forum Romanum als Stadtzentrum des alten Roms ist heute ein riesiges archäologisches Areal aus antiken Ruinen und Säulen. Hier hätten wir ohne Weiteres einen ganzen Tag verbringen und zwischen den einzelnen Gebäuden – Kirchen, Tempeln, öffentlichen Plätzen, Gärten, Geschäften, Brunnen – schlendern können.

Blick vom Kapitol auf das Forum Romanum

Besuch im Kolosseum

Vorbei am Forum Romanum erreichten wir gegen 15 Uhr das Kolosseum. Das antike Stadion und Wahrzeichen von Rom war unser absolutes Highlight an dem Tag. Ehrfürchtig und tief beeindruckt standen wir davor und wollten unbedingt auch einen Blick in das Innere werfen.

Kolosseum ohne Warteschlange durch den Eingang der Gladiatoren

Wir buchten kurzerhand die sogenannte „Express-Tour“ gegen einen geringen Aufpreis und betraten das Kolosseum ohne Warteschlange durch den Eingang der Gladiatoren. All die Details, bei dieser Dimension, die Ruinen der Fahrstühle, der Arenaboden mit den zu erahnenden Falltüren. Unvorstellbar, dass das alles vor knapp 2.000 Jahren erbaut wurde – ohne moderne Technik oder Computer, die die Statik berechneten. 80 Eingänge rund um die Arena ermöglichten den 50.000 Zuschauern direkten Zugang zu ihren Plätzen. Die Sitzordnung ergab sich aus den verschiedenen Gesellschaftsklassen, wobei Kaiser, Senatoren und Priester unten am Rand der Arena saßen. Je rangniedriger man in der Römischen Gesellschaft war, desto entfernter saß man vom Zentrum der Arena. Wir lauschten noch eine Weile der Reiseführerin, bevor wir uns in dem System von Durchgängen, Rampen und Treppen auf eigene Erkundungstour begaben.

Berühmte Ruinen des Kolosseums

Mit vielen wunderschönen und beeindruckenden Bildern im Kopf machen wir uns auf den Rückweg, stiegen zunächst vor dem Kolosseum in die U-Bahn. Nach einigen Stationen wechselten wir in den Regionalzug, um eine Stunde später wieder in Civitavecchia anzukommen. Weiter geht die Mittelmeerkreuzfahrt. Beim Ablegen stand die Sonne schon tief und tauchte den Hafen in wunderbar warmes Licht. Die Urlaubsstimmung war perfekt!

Sonnenuntergang im Hafen von Civitavecchia

Rom hat unglaublich viel zu bieten; natürlich konnten wir an einem Tag bei unserem Spaziergang nur einen Überblick über die Stadt gewinnen. Wir haben Lust bekommen, mehr zu erfahren und wissen heute schon, das wir nach Rom zurückkommen werden. Darauf freue ich mich. Für den Moment lassen wir die Eindrücke Revue passieren und sind dankbar für das Erlebte.

Wir grüßen Dich; bis morgen aus Florenz!

Herzlichst, Franziska